Borussia Fulda: Zurück zu altbewährten Tugenden
Bericht über Borussia Fulda in der aktuellen Ausgabe Hessen Fußball
Nach einer mehrmonatigen Führungskrise beim SC Borussia Fulda wurde bei einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende November 2008 wieder ein geschäftsführender Vorstand in Form eines dreiköpfigen Präsidiums installiert. Zum Präsidenten wurde Heinz Straeter gewählt, seine Stellvertreter sind Walter Goth und Jürgen Ressel. Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates wurde Dr. Bernd Alles bestimmt.
Nach nur wenigen Tagen im Amt, ließ die neue Führungscrew mit einem ersten öffentlichkeitswirksamen Paukenschlag aufhorchen - die Trennung von Trainer Jörg Meinhardt. Stattdessen wurde der bisherige Co-Trainer Serif Zangir zum Chefcoach befördert. War diese Maßnahme zunächst nur als Interimslösung angedacht gewesen, so hat das Fuldaer Präsidium den Vertrag mit Spielertrainer Zangir zwischenzeitlich bis zum Saisonende verlängert.
Der aus Sicht des geschäftsführenden Vorstandes erforderliche Wechsel des Übungsleiters wird bislang als gelungene Maßnahme angesehen, da die Eindrücke und Resultate aus den bisherigen Meisterschaftsspielen unter dem neuen sportlich Verantwortlichen positiv waren. So hat Coach Zangir für viel Begeisterung im Kader der Hessenligamannschaft gesorgt und nachhaltig zu einer Aufbruchsstimmung bei den Spielern beigetragen.
Zu einer Verschärfung der sportlichen Situation beim derzeitigen Tabellendreizehnten der Hessenliga hat in der Winterpause jedoch der Umstand geführt, dass gleich vier Spieler den Verein verlassen haben. Demgegenüber stehen mit den beiden jungen Perspektivspielern Can Unsal und Romain Simsek sowie mit dem zuletzt pausierenden Gino Hilfenhaus zwar drei Neuzugänge fest, wobei jedoch abzuwarten bleibt, ob diese auch tatsächlich den Sprung in die 1. Mannschaft schaffen.
Auf alle Fälle steht für das Hessenligateam nur ein zahlenmäßig kleiner Kader zur Verfügung, was sich im weiteren Saisonverlauf durchaus als gravierender Nachteil erweisen könnte. Etwaige Ausfälle im Kader will man mit Spielern aus der zweiten Mannschaft, die derzeit einen Spitzenplatz in der Gruppenliga Fulda belegt und den Aufstieg in die Verbandsliga Nord anstrebt, kompensieren.
Das neue Präsidium ist sehr darum bemüht, Außendarstellung und Stimmung im und um den Verein nachhaltig zu verbessern. Unter der Devise "Zurück zum Verein" wurden in kurzer Zeit verschiedene Maßnahmen sowie Initiativen angegangen und stehen teilweise unmittelbar vor der Umsetzung. So wurde zum Beispiel der Kontakt zu Spielern, Mitgliedern, ehrenamtlichen Helfern sowie Sponsoren intensiviert und verbessert. Es soll die Identifikation mit dem 105-jährigen Fuldaer Traditionsverein gefördert und somit wieder hergestellt werden. Der Teamgedanke und andere positiven Tugenden sollen wieder in das Vereinsleben einziehen. Präsident Straeter und seinen Mitstreitern ist jedoch bewusst, dass dies alles nicht von heute auf morgen funktionieren kann, sondern hierfür ein längerfristiger Prozess erforderlich ist.
Sehr wichtig nimmt man bei Borussia Fulda auch die Jugendarbeit. Unter Jugendleiter Roland Hohmann wurden diverse Maßnahmen und Projekte mit dem Ziel, neue Juniorenspieler für den Verein zu gewinnen bzw. zwischenzeitlich abgewanderte Nachwuchsspieler wieder zurückzuholen, angedacht und initiiert. Auch der bis dato eher stiefmütterlich behandelten Thematik "Frauen- und Mädchenfußball" will man sich künftig verstärkt widmen.
Sehr aktiv sind die Osthessen bereits seit längerer Zeit, wenn es um die wichtige Angelegenheit "Nein zu Rassismus und Gewalt" geht. Es ist auch für die neue Führungscrew mehr als eine Selbstverständlichkeit, dass sich Borussia Fulda an diesem Projekt des Ligasponsors LOTTO Hessen aktiv beteiligt. Optisch sichtbar wird diese Beteiligung beispielsweise bei Heimspielen des Hessenligateams, bei denen alle Vereinshelfer einheitliche T-Shirts mit dem Text "Fußball für Integration, Toleranz und Fair Play" tragen.
Volker Schulteis
Interview:
Volker Schulteis, HESSEN-FUSSBALL-Mitarbeiter für die Region Fulda, im Gespräch mit Borussen-Präsident Heinz Straeter und seinem Stellvertreter Walter Goth.
Wird Borussia Fulda auch in der Saison 2009/2010 noch der höchsten hessischen Spielklasse angehören?
Ja. Ich gehe fest davon aus, dass wir auch mit unserem relativ kleinen Kader die Hessenliga halten werden, da die uns zur Verfügung stehenden Spieler genügend Qualität hierfür haben.
Ihr Optimismus in allen Ehren, was aber macht sie so sicher?
In erster Linie auch die Beförderung von Seref Zangir zum Cheftrainer, der das in ihn gesetzte Vertrauen bislang absolut gerechtfertigt hat. Die Mannschaft will mit Elan und festen Willen in den restlichen Spielen der Rückrunde angreifen und den aktuellen 13. Tabellenplatz mindestens halten.
Man hörte und hört auch weiterhin von finanziellen Problemen in Ihrem Verein, wie ist hierzu die aktuelle Situation?
Es ist derzeit so, dass wir in finanzieller Hinsicht nicht gerade auf Rosen gebetet sind. Aber auch in dieser Richtung waren wir natürlich bereits aktiv und haben Grund zur Annahme, in diesem Bereich vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken zu können.
Das Image Ihres Clubs hat im vergangenen Jahr stark gelitten. Was haben Sie bislang getan als auch künftig vor, um die Außendarstellung wieder zu verbessern?
Wir setzen auf das Motto "Zurück zum Verein". Unter dieser Devise wollen wir zum Beispiel die öffentliche Darstellung unseres Clubs intensivieren und verbessern, das Vereinsleben neu gestalten, die Mitglieder ansprechen und neue hinzugewinnen. Eine weitere Herzensangelegenheit ist für uns auch die Förderung der Jugendarbeit.
Wie beurteilen Sie die ersten drei Monate Ihrer Amtszeit insgesamt?
Ich persönlich habe den Eindruck gewonnen, dass im Verein und im Umfeld eine große Begeisterung und ein starkes Entgegenkommen zu spüren ist. Dies zeigt unter anderem auch das Engagement vieler bei der Einbindung in Vereinstätigkeiten. Diese positiven Gefühle sind für uns als Präsidium sowie den erweiterten Vorstand sehr motivierend für die weitere Arbeit. Trotzdem haben wir noch sehr viel zu tun.



